2008'01.19 (Sat) 23:45
オペラ部門では、今後レパートリーシステムを導入するにあたって重要なレパートリーのほか、今シーズンの《軍人たち》に続く20世紀のオペラ枠にあの不倫オペラの最高峰(言い過ぎ…)《ムツェンスク郡のマクベス夫人》等、新制作・再演もの合わせて10本のオペラが上演されるという事。
まだBlog上に書く事が出来ないのですが、次シーズンの或る演目で皆様と新国立劇場でお会いできそうです。詳細はまたいずれ。
その前に明日はいよいよ《ボエーム》再演初日。頑張ります!
2007'12.25 (Tue) 23:58
浜響が13年ぶり第九
中区 定演で合唱団と共演
浜松交響楽団の第六十三回定期演奏会(静岡新聞社・静岡放送後援)が二十三日、浜松市中区のアクトシティ浜松で開かれた。
同団オーケストラは浜松合唱団と共演し、十三年ぶりにベートーベンの交響曲第九番ニ短調「合唱付」を披露した。情感豊かで迫力ある演奏に、会場を埋め尽くした聴衆から惜しみない拍手が数分間にわたって送られた。
田村滋治副理事長は「クオリティの高い第九だった。聴衆の盛り上がりも最高潮に達していたと思う」と成功を喜んだ。
第九のほかにクリスマスにちなんだ歌劇「ヘンゼルとグレーテル」序曲も演奏された。
静岡新聞[浜松・西部版]2007年12月25日朝刊
2007'12.25 (Tue) 20:54
第九絶賛
浜松交響楽団が23日、浜松市中区のアクトシティ浜松大ホールで定期演奏会を開き、13年ぶりにベートーベンの交響曲第九番を演奏した=写真=。演奏に合わせて、御殿場市出身の初鹿野剛(はつかのたけし)さん(バス)らプロのソリスト4人と浜松合唱団約80人が力強い歌声で熱唱し、満員の約2200人の聴衆を魅了した。
同楽団は1994年に同ホールが完成した際に「第九」を演奏。この時に第九を演奏した元楽団員である同市西区入野町の鈴木晴夫さん(59)は「演奏では音程が高く難しい部分も良く響き、腕が上がった。素晴らしい演奏だった」と語った。
(2007年12月24日 読売新聞)
2007'08.31 (Fri) 23:55
また、時間の都合で全訳する事ができませんでしたが、Blogに転載した通り、ドイツの全国紙・フランクフルター=アルゲマイネ紙を始め、各地方紙上の《ファルスタッフ》批評でお褒めの言葉を頂けたのは嬉しい事でした。ここにお礼申し上げます。
【参考】
初鹿野剛 ラインスベルクでの『ファルスタッフ』で好評を博す
2007'08.26 (Sun) 23:55
Brandenburg
Geh, geh, alter John, geh !
Von Michael Treffehn
Damit konnte niemand rechnen: 46 Jahre nach Macbeth und sechs Jahre nach Othello griff der greise Giuseppe Verdi, inspiriert und gedrängt vom Komponistenkollegen und Librettisten Arrigio Boito, nochmals auf eine Shakespeare- Vorlage zurück. Mit einem heiteren Werk wollte er sein Opernschaffen endgültig abschließen. Verdis anspruchsvolle lyrische Komödie ist nie ein Kassenschlager geworden. Für alle, die hören wollen, bleibt dieser Edelstein des Opernrepertoires aber
unverzichtbar. Über einen gewissen Sir John Falstaff, Rauhbein und Trinker, Gentleman und Verführer, ist die Zeit hinweggegangen. Das kommt vor. Er steht zu seinen Überzeugungen und Ausschauungen, auch wenn sie jetzt gar sonderlich wirken. Das finden die Weiber von Windsor lustig, ihre Männer nicht. Letztere sind jung und erfolgreich, haben Geld und schöne Frauen. Was sie nicht haben, ist Witz und Unterhaltungswert. Am Ende verliert der Draufgänger im Geldnöten das Werben um zwei Bürgerfrauen und geht doch als Gewinner von der Bühne : "Hat doch mein Witz erst den Horizont euch erweitert". Die Inszenierung der Kammeroper Schloss Rheinsberg kam jetzt für drei Aufführungen ins St.Pauli-Kloster. Schon in Rheinsberg gab es - witterungsbedingt - mehrfach den Zwang zu einer szenisch modifizierten Fassung, die jetzt für Brandenburg nochmals verschlankt werden musste. In Rheinsberg hatten die akustischen Defizite die Sänger zu tragen. Das Klangerlebnis im Pauli-Kloster ist im ersten Drittel des Zuschauerraumes ausgewogen mit leichten Nachteilen für den Orchesterklang der hinter der Spielfläche positionierten Musiker. Regisseur Kay Kunze treibt seine Darsteller wie immer zu exaktem und animiertem Spiel und schafft gemeinsam mit den farbenprächtigen Kostümen von Martina Feldmann Ensemble-Bilder von berückender Schönheit. Ganz selten kann ein dreißigjähriger Sänger alle Aussprüche an die komplexe Titelgestalt erfüllen.
Dafür schlägt sich Takeshi Hatsukano sehr achtbar. Leider wird er als tapsig- drolliger Lebemann im Clownskostüm niemals für die Damenwelt zur erotischen Gefahr, ist eher harmlos-liebenswerter Tollpatsch als lachender Philosoph. Für stimmlichen Wohlklang sorgen vor allem Keren Hadar ( Nannetta ) und Sung- Kon Kim als Mr. Ford. Mit fülligem Alt der Sonderklasse : Genevière King als Mrs. Quickly. Schlanken (Karen Nybom als Mrs. Alice Ford) und kleinen Stimmen ( der lyrische Tenor Sergey Tkachenko) kommen die Raumverhältnisse des Pauli- Kloster sehr entgegen. Weil Michael Helmrath die Partitur überaus ernst nimmt, kann sich im Spiel der Brandenburger Symphoniker sowohl der musikalische Witz als auch das Allgemeingültig-Wahrhaftige voll entfalten. Heiteres Welttheater mit Ironie und Tiefe, Feinheit und Tragik: Hier findet es statt. "Geh, geh, alter John ? zieh hin auf deinem Weg" - und und schicke deine Verwandten Gianni Schicchi und Don Alfonso schon bald zu uns, damit unser musikaliche Leben reich und erfüllt bleibt!
(Vorstellung heute 15.00 Uhr!)
Brawo, 26.08.2007
2007'08.25 (Sat) 17:27
25.08.2007, Märkische Allgemeine» Landkreise» Brandenburg/H. » Regionale Nachrichten
Turbulente Komödie
Junge Solisten überzeugen bei Premiere von Verdis "Falstaff"
MATTHIAS GOTTWALD
Die "halb szenische Aufführung" soll auf das "szenische Arrangement" von Anna Lisa Canton zurückgehen. Doch das Premierenpublikum im Paulikloster sah eine turbulente und dabei hervorragend getimte und dichte Inszenierung des Verdi-Spätwerks "Falstaff", prächtige Kostüme, wunderbare Sänger und behände Brandenburger Symphoniker. Der Chorraum der Leutkirche als Kulisse genügte vollauf. Wieso stellt das Brandenburger Theater (BT), das die Oper in Koproduktion mit der Kammeroper Schloss Rheinsberg in der Havelstadt auf die Bühne brachte, sein Licht derart unter den Scheffel? Halbszenisch! Premierengäste und Musiker, die die Rheinsberger Openair-Variante im Heckentheater des Schlosses miterlebt hatten, vermissten am Donnerstagabend rein gar nichts außer Kälte oder Mücken.
Der Grund für dieses merkwürdige Understatement ist ein ganz profaner. Der durchaus umtriebige Opernregisseur Kay Kuntze sah sich vertraglich nur an die Kammeroper, nicht aber ans BT gebunden. Die lediglich "arrangierte halb szenische Inszenierung" ist weiter nichts als ein formaljuristisch motivierter Euphemismus, mit dem das BT den Umstand einer umstrittenen Honorarforderung verhüllt hat. Fühlen wir uns also nicht an diesen Terminus gebunden.
Die bewegte Komödie beruht auf den, auch im zeitgenössisch aufgehübschten, Libretto zitierten Lustigen Weibern von Windsor. Shakespeare lässt dort die bürgerlichen Frauen den klammen Adeligen und verhinderten Gigolo Falstaff hops nehmen. Für die Rheinsberger ist Verdis schon recht modern anmutende Vertonung des Komödienstoffs der Höhepunkt ihrer "Windsor-Trilogie". Zuvor waren beim Rheinsberger Nachwuchsfestival schon die Windsor-Adaptionen von Salieri und Nicolai zu hören.
Beim alljährlichen Casting der Nachwuchssänger aus aller Welt wurden die Partien für "Falstaff" wieder mit ausgezeichneten jungen Opernsolisten besetzt. Sie straften die Vorurteile Lügen, dass asiatische, vor allem koreanische, Gesangsstudenten und Solisten, die verstärkt auf den europäischen Markt drängen, mit hölzerner Mimik, Sprachproblemen und zugleich streberhaft die Preise an deutschen Opernhäusern verderben. Der Japaner Takeshi Hatsukano als Sir John Falstaff brillierte mit gelöstem und variantenreichen Spiel, angemessener Diktion, toller Bühnenpräsenz und einem außergewöhnlich ausgeglichenen Bariton, dem der Koreaner Sung-Kon Kim als Flastaffs vordergründiger Gegenspieler Mister Ford kaum nachstand.
Die Schwedin Karin Nybom als die Strippenzieherin Alice Ford meisterte stimmlich und vor allem auch schauspielerisch ihre zentrale Partie mit Bravour. Keren Hadar aus Israel als Ford-Tochter Nannetta aber, die durch die Ränke ihrer Mutter schließlich ihren Geliebten auch heiraten darf, überstrahlte – sozusagen dramaturgisch aus der zweiten Reihe kommend – mit ihrem glasklaren, wohl temperierten Sopran alles und jeden.
Termine: heute, 19.30 Uhr, morgen, 15 Uhr, Paulikloster.
2007'08.25 (Sat) 00:00
25.08.2007, Märkische Allgemeine (MAZ exklusiv)
Shakespeare im Raum-Klang-Wunder
So schön kann Oper sein: Guiseppe Verdis "Falstaff" wird im Brandenburger St. Pauli-Kloster trickreich vorgeführt
ANN BRÜNINK
"Wir sind lauter Gefoppte", singt der Schlusschor in Verdis Oper "Falstaff". Doch für das Publikum der halbszenischen Aufführung, das im Pauli-Kloster in Brandenburg an der Havel die Premiere bejubelte, trifft das nicht zu. Im Gegenteil. Die Zuschauer waren Nutznießer eines Zufalls, der sich als Glücksfall entpuppte.
Sie könnte gut und gerne Verdis Ururenkelin sein, die 1966 in Mailand geborene Anna Lisa Canton, die als Oberspielleiterin für den ursprünglich vorgesehenen Regisseur Kai Kunze einsprang. Mit schalkhaftem Humor – wer kommt schon auf die Idee, Michael Helmrath, den Dirigenten der Brandenburger Symphoniker, als Postillon d’Amour für Falstaff einzusetzen? –, Musikalität und einem ausgeprägten Sinn für die Choreografie einer Inszenierung hat sie den Brandenburger "Falstaff", eine Ko-Produktion des Brandenburger Theaters mit der Kammeroper Schloss Rheinsberg, auf die Bühne gebracht.
Die Regisseurin konnte zwar auf das komplette Rheinsberger Ensemble zurückgreifen, doch die Inszenierung sollte sich deutlich von der Rheinsberger unterscheiden."Was bedeutet halbszenisch", habe sie sich gefragt, erzählt Canton, die jahrelang als Tänzerin aufgetreten ist und derzeitig als Chefbühnenmanagerin am Staatstheater Cottbus engagiert ist. Ihre Antwort war der konsequente Verzicht auf Bühnenbild, Requisiten und jedweden Schnickschnack. "Wenn ich die Leute nicht spielen lasse, dann ist die Oper tot", war sie überzeugt.
Und sie hat das Ensemble spielen lassen, und wie. Dabei hat sie genuin die räumlichen Gegebenheiten des Pauli-Klosters genutzt. Die immer wieder aufs Neue überraschende Qualität der Akustik ließ es zu, das Orchester im hinteren Teil des Altarraumes der ehemaligen Leutkirche auf einem Bühnenpodest zu platzieren und die Sänger sogar aus dem Off singen zu lassen. Davor, aber auf gleicher Ebene, entfaltete sich in einem bunten Bilderbogen die Geschichte von Falstaff, dem verarmten Ritter, der sich zwecks Aufbesserung seiner Finanzen an zwei betuchte verheiratete Damen heranmachen will, die aber trickreich an ihm Rache nehmen. Was für ein herrliches Tummeln und Fummeln, Hoffen und Harren, Hauen und Stechen.
An den Darbietungen der Sängerinnen und Sänger habe sie nichts geändert, damit sie ihren roten Faden nicht verlören, berichtet Canton. Das vermittelt ihnen eine Sicherheit, die viel Raum lässt für das genussvolle Ausagieren der Shakespeareiaden, die Verdi zu seiner schönen – teilweise lautmalerischen – Musik inspirierten. Und so überzeugen Takeshi Hatsukano als überheblich-tumber Falstaff, Sung-Kon Kim als von Eifersucht zerfressener Mr. Ford, Karin Nybom als schillernde Mrs. Alice Ford, Keren Hadar als ganz besonders entzückende Tochter Nannetta, Sergey Tkachenko als ihr schlaksig-eckiger Lieb-ster Fenton, Marian Ossandón als Mrs. Meg Page, die irgendwie immer die zweite Geige spielt, Geneviève King als die undurchsichtige Mrs. Quickly. Umwerfend komisch auch Michael Axelsson als Dr. Cajus, sowie Jänis Kursevs und Jae-Won Yang als wurschtig-unzuverlässige Falstaff-Diener Bardolfo und Pistola. Nur den Auftritt des Berliner Karl-Forster-Chors habe sie komplett verändert, erklärt Canton. Gelungen, denn die reifen Chordamen bescheren dem Publikum bei ihrem Auftritt als flatterhafte, quietschgrüne Elfen unvergessliche Momente der Heiterkeit. So schön kann Oper sein!
Nächste Aufführungen am 25. August, 19.30 Uhr; 26. August, 15 Uhr. St. Pauli-Kloster, Brandenburg/Havel. Karten unter 0 33 81/51 11 11.
2007'08.17 (Fri) 23:59
"Alles ist Spass auf Erden"
Kammeroper Schloss Rheinsberg präsentierte mit Falstaff erstmals szenisch eine Oper von Giuseppe Verdi
Klaus Büstrin
„Die letzten Noten des Falstaff. Alles ist beendet!“ So Verdis Notiz, die er auf die Partitur zu seiner Oper „Falstaff“ schrieb. Es sollte seine letzte werden. Und die einzige mit komödiantischem Charakter. Als Vorlage diente Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Heinrich IV.“ Ein leichter Konversationsstil durchzieht die Handlung um den Schwerenöter Sir John Falstaff. Seine Geldnöte versucht er mit Liebesanträgen bei zwei Damen von Windsor, die mit reichen Männern verheiratet sind, aufzubessern. Nicht nur die Geschichte hat einen erfrischenden Humor, auch die Musik ist in jedem Takt von Witz und Einfällen durchzogen.
Die Kammeroper Schloss Rheinsberg hat sich in diesem Jahr dem „Falstaff“ zugewandt, nach „Nabucco“ das zweite Mal in seiner siebzehnjährigen Geschichte mit Verdi. Natürlich hätte die Kammeroper eine Oper wählen können, in der musikalisches Highlight auf Highlight folgt, sie hat aber das schwierige Ensemblestück ausgesucht, in dem es vor allem kammermusikalisch zugeht. Die Brandenburger Symphoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Michael Helmrath mussten den akustischen Tücken der Ausweichhalle, in der die Opernaufführung stattfand, Paroli bieten. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg muss auch in diesem Jahr verstärkt das idyllische Heckentheater , mit der poesielosen Halle tauschen, denn das Wetter meint es einfach nicht gut mit den Veranstaltern.
Das Orchester war wieder am Bühnenrand positioniert. Somit waren dem Interpretationsideal eindeutig Grenzen gesetzt. Bis zur Pause mussten sich Dirigent, Musiker und Sänger zusammenraufen. Im zweiten Teil waren dann viel mehr Drive und Brio zu hören, ging es kammermusikalisch zu. Natürlich musste sich der Zuschauer szenisch in das Heckentheater hinein denken. Die Halle ließ bühnenbildnerisch nur ein Minimum zu (Ausstattung: Martina Feldmann). Vor allem der herrlichen Schlussszene, die im Wald spielt, fehlte einfach das Sommernachtstraum-Fluidum. Trotz des Aufgebots an Nymphen, Feen und anderer Waldgeister konnte sich ein schillerndes Waldweben nicht einstellen. Dem Regisseur Kay Kuntze scheint hier die Fantasie ausgegangen zu sein, mit der er zuvor eine Geschichte voller Heiterkeit erzählte, bei der in keinem Moment Klamauk aufkam. Im Wald ging es jedenfalls recht dröge zu.
Der japanische Bariton Takeshi Hatsukano als Titelgeber des Abends machte wirklich gute Figur. Seiner kraftvollen Stimme verlegte er mit dem richtigen Gespür für die vorherrschenden Spielsituationen nicht ins vergröbernd "Heldische", sondern betonte eher den tänzelnd-charmanten "Kavalier". Selten kommt es vor, dass ein Ford, einer der Gefoppten Falstaffs sowie der Damenwelt, dem Schwerenöter ebenbürtig ist. In dieser Aufführung konnte der Bariton Sung-Kon Kim aus Korea in seiner großen Racheszene stimmlich sehr für sich einnehmen. Über alle Lagen hinweg herrschte eine mühelose Ausgeglichenheit, die imponierte. Ansonsten blieb er darstellerisch blass, da er zu verhalten agierte. Dagegen wurde die kleinere Partie der Mrs. Quickly neben Falstaff zu einem Hauptanziehungspunkt der Inszenierung. Mit ihrer großen Spielfreude und prachtvollen Altstimme, die Kern und Flexibilität hat, sorgte die Französin Genevieve King als „Postbotin“ für reichlich Verwirrung und Wirbel. Die beiden Angebeteten von Falstaff, Alice Ford (Karin Nybom) und Mrs. Meg Page (Mariana Ossandón), konnten darstellerisch mithalten, aber stimmlich brachten sie noch zu wenig Glanz ein. Dies kann man von dem Schwiegersohn in spé der Fords, Fenton, ohne Einschränkung ebenfalls sagen. Sergej Tkachenkos Tenor war stellenweise so dünn, dass man ihn kaum hörte. Und dies lag wirklich nicht am Orchester. Dagegen erfreute Fords Tochter Nannetta – mit großer Klarheit und Schönheit von der israelischen Sopranistin Keren Hadar gesungen. Großer Beifall für alle Mitwirkenden, für eine Aufführung, die den Zuschauern zum Schluss die Erkenntnis mit auf den Heimweg gab „Alles ist Spaß auf Erden.“
Nächste Vorstellungen: 17./18.8., 20 Uhr, Heckentheater Rheinsberg
(Potsdam Kultur von Potsdamer Neueste Nachrichten, 17.08.2007)
2007'08.15 (Wed) 00:00
Den Trottel sollte man mit einem Tritt erledigen
"Falstaff" an der Kammeroper Schloss Rheinsberg
15.08.2007
Feuilleton - Seite 27
Peter Uehling
Der Bus fährt auf eine Baustelle mit Feierabend-totem Kran, offenen Neubauwänden. "Das ist ja romantisch!" ruft eine Dame. Die hatte sich das mit dem "Falstaff" in Rheinsberg wohl anders vorgestellt. Unwetter waren angesagt, ausreichend Wasser war bereits vom Himmel geflossen, und das Heckentheater im Schlosspark präsentierte sich unwegsam. Was hätten die Verantwortlichen anderes tun sollen, als die Premiere auszuquartieren, in eine Blechbüchse am Rand einer Baustelle?! Im Namen der Gesundheit kann man da nur Dank sagen.
Dennoch fragt man sich, wie viel eigentlich übrig bleibt von Rheinsberg, wenn man nicht im Schloss, nicht unter freiem Himmel, ja nicht einmal so richtig in Rheinsberg ist? Fortgeschrittenes Studententheater? Das klingt böse, aber ganz falsch ist es nicht - schließlich heißt der Veranstaltungsrahmen "Internationales Festival junger Opernsänger"; man verdrängt das nur aufgrund des Stimmungsvollen so leicht. Ohne Stimmung aber hat so eine Aufführung etwas von Talentbörse. Kay Kuntze, der Regisseur, hat sich nicht eben viel Mühe gegeben, um in Giuseppe Verdis letzter Oper etwas Neues zu entdecken. Er versteht es gut, die Figuren über die Bühne zu bewegen, das hat eine gesunde Dynamik und blockiert die Musik nicht. Es steckt ja viel Gestisches in Verdis Partitur, gegen das die Personenführung und das Spiel nicht ungestraft vorgehen können.
Aber für eine gewisse Interpretation etwa der Hauptfigur ist durchaus noch Raum. Dass Falstaff mit einer jeckenhaft gemusterten Ballonhose und einem orangefarbenen T-Shirt über die Bühne stampft, hat uns jedoch nicht begeistern können. Dabei war dieses Kostüm noch das Widerborstigste an der schnatterigen, dicke tuenden Inszenierung. Das Stück bekommt die Regie auf diese Weise nicht zu fassen. Warum Falstaff überhaupt je einen Ruf als Verführer erlangen konnte, ist bereits rätselhaft; warum müssen da die Intrigen so aufwändig geraten - dieser Trottel müsste doch mit einem schlichten Tritt in den Hintern hinreichend zu erledigen sein!
Aber nein, seine Liebesbriefe an zwei befreundete Frauen lösen großes Durcheinander aus, zumal sich auch die Männer an ihm rächen wollen, ihre Taktik aber nicht mit den Frauen absprechen. Schön, dass es im Gewimmel immerhin zwei gibt, die sich verstehen: Nanetta und Fenton. Dass Nanettas Vater Ford etwas gegen die Verbindung hat und den drögen Dr. Cajus bevorzugt, geht in Kuntzes Regie unter. Der gesamte Liebesdiskurs des Stücks gerät da aus der Balance.
Musikalisch konnte man Zeuge einer stetigen Steigerung werden. Akustisch ungünstig mussten die Brandenburger Symphoniker am linken Rand der Bühne Platz nehmen, Michael Helmrath am Pult musste viel dämpfen. Ansonsten ist vom Orchester Gutes zu berichten: Es gelang eine klangschöne, klare Interpretation, die das Witzige subtil am Zügel hielt. Den wunderbarsten Aufschwung nahm Keren Hadar als Nanetta. Zu Beginn noch etwas derb in der Stimme und eng in der Phrasierung, schwang ihr leichter und doch ganz eigen getönter Sopran in der Feenszene im dritten Akt wunderbar aus - und das trotz zartester Tongebung. Sergey Tkachenko als Fenton blieb dagegen blass. Karin Nybom als Alice hat einen Hang zum Schrillen, den sie im Verlauf des Abends immer besser in den Griff bekommt, ohne dabei allerdings wirklich stimmlich-sinnliche Ausstrahlung zu gewinnen.
Über die verfügen die Männer eher. Takeshi Hatsukano ist ein beinahe schon routinierter Falstaff, er könnte seiner Rolle stimmlich mehr Nuancen abgewinnen, so wie es Sung-Kon Kim als Ford vormacht - der wiederum im Spiel noch an Beweglichkeit gewinnen müsste. Eine Erwähnung als "besondere Stimme des Abends" verdient Genevive King als Mrs. Quickly, die neugierige Botin zwischen Falstaff und den Weibern von Windsor: ein wunderbarer, tiefer Alt von dunkler, gurrender Färbung, der auch mühelos in der Höhe anspricht. Schon aufgrund der faszinierenden Ausstrahlung ihres Timbres sollte man sich den Namen der Sängerin merken: Solche Stimmen gibt es nicht oft.
Heute sowie am 17. und 18. August, jeweils 20 Uhr (hoffentlich) im Heckentheater, Schlosspark Rheinsberg. Kartentel.: 03 39 31-392 96.
2007'08.14 (Tue) 23:59
Zitatenpark
Giuseppe Verdis "Falstaff" auf Schloss Rheinsberg Martin Wilkening
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.08.2007
Martin Wilkening
[...] Was Rheinsberg neben Kulissenzauber noch zu bieten hat: Junge, spielfreudige Darsteller, ausgewählt in einem internationalen Gesangswettbewerb, der die Grundlage der Rheinsberger Besetzungszettel bildet, und dazu mit den Brandenburger Symphonikern ein Orchester, das unter seinem Chefdirigenten Michael Helmrath den musikdramatischen Reichtum des "Falstaff" pointiert zu entfalten vermag, ohne dabei den großen Bogen zu verlieren. Manchmal wackelt es anfangs noch zwischen Bühne und dem sehr weit entfernt zur Linken sitzenden Orchester, manchmal ist die Musik in der widrigen Akustik arg laut, vor allem im ersten Akt, wo Helmrath auch die zahlreichen fortissimi kräftig ausspielt. Der Regisseur Kay Kuntze baut die Ensembleszenen in flüssigen und natürlichen Bewegungsverläufen auf, nichts wirkt erzwungen oder aufgesetzt. Freilich macht sich in diesem reinen Spieltheater auch ein Mangel an Deutung bemerkbar, am empfindlichsten gerade bei der Titelrolle, in welcher der stimmlich wagnermäßig auftrumpfende Takeshi Hatsukano als ein jammernder Harlekin herumtapst, ohne Biographie, ohne soziale Kennzeichnungen oder psychologische Ambivalenzen, die ihn als Outsider verständlich werden ließen. Es wird gut gesungen. Und rein sprachlich glänzt die Aufführung, die Sänger aus acht Ländern zu einem ausgeglichenen Ensemble zusammenbringt, mit einer durchgehenden Verständlichkeit, um die manches große Haus die Rheinsberger beneiden könnte.





