2007'08.25 (Sat) 17:27
25.08.2007, Märkische Allgemeine» Landkreise» Brandenburg/H. » Regionale Nachrichten
Turbulente Komödie
Junge Solisten überzeugen bei Premiere von Verdis "Falstaff"
MATTHIAS GOTTWALD
Die "halb szenische Aufführung" soll auf das "szenische Arrangement" von Anna Lisa Canton zurückgehen. Doch das Premierenpublikum im Paulikloster sah eine turbulente und dabei hervorragend getimte und dichte Inszenierung des Verdi-Spätwerks "Falstaff", prächtige Kostüme, wunderbare Sänger und behände Brandenburger Symphoniker. Der Chorraum der Leutkirche als Kulisse genügte vollauf. Wieso stellt das Brandenburger Theater (BT), das die Oper in Koproduktion mit der Kammeroper Schloss Rheinsberg in der Havelstadt auf die Bühne brachte, sein Licht derart unter den Scheffel? Halbszenisch! Premierengäste und Musiker, die die Rheinsberger Openair-Variante im Heckentheater des Schlosses miterlebt hatten, vermissten am Donnerstagabend rein gar nichts außer Kälte oder Mücken.
Der Grund für dieses merkwürdige Understatement ist ein ganz profaner. Der durchaus umtriebige Opernregisseur Kay Kuntze sah sich vertraglich nur an die Kammeroper, nicht aber ans BT gebunden. Die lediglich "arrangierte halb szenische Inszenierung" ist weiter nichts als ein formaljuristisch motivierter Euphemismus, mit dem das BT den Umstand einer umstrittenen Honorarforderung verhüllt hat. Fühlen wir uns also nicht an diesen Terminus gebunden.
Die bewegte Komödie beruht auf den, auch im zeitgenössisch aufgehübschten, Libretto zitierten Lustigen Weibern von Windsor. Shakespeare lässt dort die bürgerlichen Frauen den klammen Adeligen und verhinderten Gigolo Falstaff hops nehmen. Für die Rheinsberger ist Verdis schon recht modern anmutende Vertonung des Komödienstoffs der Höhepunkt ihrer "Windsor-Trilogie". Zuvor waren beim Rheinsberger Nachwuchsfestival schon die Windsor-Adaptionen von Salieri und Nicolai zu hören.
Beim alljährlichen Casting der Nachwuchssänger aus aller Welt wurden die Partien für "Falstaff" wieder mit ausgezeichneten jungen Opernsolisten besetzt. Sie straften die Vorurteile Lügen, dass asiatische, vor allem koreanische, Gesangsstudenten und Solisten, die verstärkt auf den europäischen Markt drängen, mit hölzerner Mimik, Sprachproblemen und zugleich streberhaft die Preise an deutschen Opernhäusern verderben. Der Japaner Takeshi Hatsukano als Sir John Falstaff brillierte mit gelöstem und variantenreichen Spiel, angemessener Diktion, toller Bühnenpräsenz und einem außergewöhnlich ausgeglichenen Bariton, dem der Koreaner Sung-Kon Kim als Flastaffs vordergründiger Gegenspieler Mister Ford kaum nachstand.
Die Schwedin Karin Nybom als die Strippenzieherin Alice Ford meisterte stimmlich und vor allem auch schauspielerisch ihre zentrale Partie mit Bravour. Keren Hadar aus Israel als Ford-Tochter Nannetta aber, die durch die Ränke ihrer Mutter schließlich ihren Geliebten auch heiraten darf, überstrahlte – sozusagen dramaturgisch aus der zweiten Reihe kommend – mit ihrem glasklaren, wohl temperierten Sopran alles und jeden.
Termine: heute, 19.30 Uhr, morgen, 15 Uhr, Paulikloster.
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